Zum Film

INNERE BLUTUNGEN ist ein unkonventioneller Dokumentarfilm, der einen Blick zurück in die Mitte der österreichischen Gesellschaft der 1960er und 1970er wirft. Episodenhaft reihen sich Geschichten aneinander, die vordergründig vom Alltag einer ländlichen Bevölkerung berichten. Bekanntermaßen schreibt das Leben oft Geschichten, auf die eine verwegene Phantasie nicht käme. Etwa jene, in der ein Hotelier seine verstorbene Gattin wochenlang mit Sauerstoff beatmet, um ihre Wiederauferstehung vorzubereiten.
Neben dem Spektakulären räumt INNERE BLUTUNGEN aber auch den ganz alltäglichen Geschehnissen Raum ein: der Goldenen Hochzeit, dem Kinoprogramm mit Western und Soft Pornos sowie der Abstrafung von Teenagern nach Schwangerschaftsabbruch oder ungebührlich frühen erotischen Beziehungen.
Zwischen den (Bild-)Zeilen erzählt der Film von Generationskonflikten, gesellschaftlichen Umbrüchen und dem dröhnend stillen Leiden von Frauen in einer Männerwelt. Die aus dem Off gesprochenen Texte entstammen der Regionalzeitung, der assoziativ dazu montierte Bilderstrom greift auf private Amateurfilme und -fotos aus der fraglichen Zeit als visuelles Vokabular zurück.

Bild / Montage / 2 Jahre Arbeitszeit
Aus Privatarchiven und mithilfe von österreichweiten Inseraten haben Bogendorfer und Sedmak 250 Stunden Filmmaterial und 2.000 Fotos zusammengetragen, gesichtet, digitalisiert und geordnet. Bewusst haben die beiden auf Profimaterial verzichtet, um stattdessen mit Amateurbildern näher an die Alltagsmaterie heranzukommen. In zweijähriger Arbeitszeit hat anschließend Bogendorfer den Film montiert und dabei die Möglichkeiten der Filmmontage subtil genutzt, um einen aussagekräftigen Dialog zwischen Bild und Ton herzustellen. Aufgrund der Herangehensweise ohne Drehbuch bestand die größte Herausforderung  darin, die konkreten Geschichten nicht plump, sondern beziehungsreich und assoziativ auf einer Metaebene zu visualisieren.

Sprecher
Die aus 11 Zeitungsjahrgängen zusammengetragenen Geschichten werden aus dem Off erzählt. Mit ihren Stimmen verkörpern die SprecherInnen Gisela Schreiner, Oliver Karbus und Jörg Schauberger die Radiokultur der 1970er Jahre – Schreiner und Schauberger haben beim ORF unter anderem unzählige Wunschkonzerte moderiert. Der Tonfall der Erzählerstimmen setzt sich bewusst mit der pathethischen und gestelzten Zeitungssprache von damals auseinander. Das andere tragende Erzählmittel ist die Musik.

Tonspur
Der Soundtrack von INNERE BLUTUNGEN zieht einerseits einen Kreis durch akustische Regional- und Identitätsgeschichte und stellt gleichzeitig eine Distanz zum historischen Bildmaterial her: mit digital entfremdeten Ambientsounds des Linzers Andreas Kurz, mit Originalaufnahmen und Improvisationen zu nichtkommerzieller ‘Volksmusik’ von Martin Neureiter (Hohtraxlecker Sprungschanzenmusi) und der Gosinger Geigenmusi, mit davon inspirierten Gitarrensounds von Florian Sedmak sowie raren Aufnahmen verschollener österreichischer Beatbands, von denen nicht mehr geblieben ist als die eine oder andere Vinylsingle.